
Mit der zunehmenden Zahl chronisch-systemischer, autoimmuner Erkrankungen und Multimorbiditäten, stoßen die Gesundheitssysteme regelmäßig an ihre Grenzen. Während die Lebensqualität der Patienten durch diese Krankheiten stark beeinträchtigt wird, bleiben die Ursachen für die steigenden Zahlen oft unklar.
Eingriffe in empfindlich regulierte Systeme sind in der Lage, diese aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Selbstheilung chronischer Krankheiten kann in dysregulierten Systemen unterdrückt werden. Durch die Wiederherstellung der Regulation durch Beseitigung immunologischer und toxikologischer Stressoren könnte die Kompensationsfähigkeit gestärkt werden. Überraschende Erfolge des integrativ-komplementären Therapieansatzes, die nicht direkt kausal erklärbar sind, bestärken diesen medizinischen Ansatz.
Dies gilt auch für Neurodermitis oder atopische Dermatitis, eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die in akuten und subakuten Phasen auftreten kann. Sie betrifft häufig die Kopfhaut, das Gesicht und die Hände und wird von starkem Juckreiz begleitet. Neurodermitis beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten. Diese häufige chronische Hauterkrankung betrifft bis zu 12 % der Gesamtbevölkerung.
Der vorliegende Fallbericht zeigt mögliche Zusammenhänge zwischen immunologischen, toxischen und chronisch-entzündlichen Stressoren im Mund- und Kieferbereich und übermäßiger Zytokin-Expression, chronischen Krankheiten und immunologischen Störungen auf. Die damit verbundenen Pathologien sind wenig bekannt, da sie sich röntgenologisch oft nicht eindeutig zeigen. Können weitere Diagnostik und neue Methoden wie die Konochendichtemessung (transalveoläre Knochendensitometrie) diese verborgenen Zusammenhänge aufklären? Und welche anderen Tests (RANTES, Zytokine, Titan, etc.) können eingesetzt werden, um die Art und Intensität des Stressors zu bestätigen?



Chronische Muskelschmerzen, Fatigue und vielfältige körperliche Beschwerden gehören zu den häufig berichteten Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Die Ähnlichkeit zum Fibromyalgiesyndrom wirft die Frage auf, ob beide Erkrankungen gemeinsame biologische Mechanismen besitzen. Eine wissenschaftliche Hypothesenarbeit von Plaut (2023) stellt einen neuen Erklärungsansatz vor: Demnach könnten Veränderungen der Faszien und eine übermäßige Aktivität bestimmter Bindegewebszellen zur Entstehung chronischer Schmerzen beitragen.
Chronische Muskelschmerzen, ausgeprägte Erschöpfung und kognitive Beeinträchtigungen können auch nach einer zunächst mild verlaufenden Virusinfektion auftreten. Besonders seit der COVID-19-Pandemie rückt die Frage in den Fokus, ob Infektionen die Entstehung einer Fibromyalgie begünstigen können. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit von Plaut (2026) analysiert die wissenschaftliche Evidenz zu diesem Zusammenhang und diskutiert neue Erklärungsansätze, die neben dem Nervensystem auch das Muskel- und Bindegewebe einbeziehen.
Papain ist ein pflanzliches Enzym aus der Papaya, das vor allem für seine eiweißspaltenden Eigenschaften bekannt ist. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Papain darüber hinaus entzündliche Prozesse auf zellulärer Ebene beeinflussen könnte. Eine experimentelle Studie von Jiang et al. (2022) untersuchte die Wirkung auf bestimmte Immunzellen und identifizierte einen möglichen Mechanismus, der insbesondere im Zusammenhang mit chronischen Gefäßentzündungen von Interesse ist.
Sitzen nimmt in modernen Gesellschaften einen erheblichen Teil des Tages ein. Büroarbeit, Autofahrten und Bildschirmzeiten führen dazu, dass viele Menschen mehrere Stunden täglich nahezu ohne Muskelaktivität verbringen. Dabei ist langes Sitzen nicht einfach das Gegenteil von Sport: Eine Person kann die Empfehlungen für körperliche Aktivität erfüllen und gleichzeitig einen großen Teil des restlichen Tages sitzend verbringen.
Welche gesundheitlichen Folgen damit verbunden sind, untersuchten Patterson et al. (2018) in einer umfangreichen systematischen Übersichtsarbeit mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse. Eingeschlossen wurden 34 prospektive Studien mit insgesamt 1.331.468 Teilnehmern und einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 8,9 Jahren. Analysiert wurden die Zusammenhänge zwischen der täglichen Sitzzeit beziehungsweise der Zeit vor dem Fernseher und Gesamtmortalität, kardiovaskulärer Mortalität, Krebsmortalität sowie dem Neuauftreten eines Typ-2-Diabetes.
Alkoholkonsum gilt als etablierter Risikofaktor für verschiedene Krebserkrankungen. Ethanol und sein Stoffwechselprodukt Acetaldehyd werden von der International Agency for Research on Cancer als Humankarzinogene der Gruppe 1 eingestuft. Auch der kausale Zusammenhang zwischen alkoholischen Getränken und Brustkrebs bei Frauen ist seit Jahren bekannt. Weniger eindeutig war bislang jedoch, wie stark bereits geringe Alkoholmengen das Risiko beeinflussen und ob sich die Zusammenhänge je nach Menopausen- oder Rezeptorstatus unterscheiden.
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Sohi et al. (2024) wertete deshalb die verfügbare Evidenz aus prospektiven Kohortenstudien detailliert aus. Neben der durchschnittlichen Alkoholmenge untersuchten die Autoren auch episodisch hohen Konsum, den Zeitpunkt des ersten Alkoholkonsums sowie Unterschiede zwischen prä- und postmenopausalen Frauen und verschiedenen molekularen Brustkrebstypen.
Das Lipödem wird bislang vor allem als Erkrankung des Fettgewebes betrachtet. Charakteristisch sind eine symmetrische, disproportionierte Vermehrung des subkutanen Fettgewebes, insbesondere an Beinen und häufig auch Armen, Schmerzen, Ödeme und eine geringe Reaktion des betroffenen Fettgewebes auf konventionelle Maßnahmen zur Gewichtsreduktion.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Viana et al. (2026) erweitert diese Sichtweise: Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass bei fortgeschrittenem Lipödem nicht nur das Fettgewebe, sondern zunehmend auch die Skelettmuskulatur funktionell beeinträchtigt sein könnte. Als mögliche Verbindung zwischen beiden Geweben rückt dabei die entzündliche Myosteatose – die Einlagerung von Fett in die Muskulatur in einem entzündlichen Milieu – in den Fokus.
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